Der Businessplan - sinnvoll oder Zeitverschwendung?

Ein zentraler Bestandteil einer jeden Unternehmensgründung stellt die Ausarbeitung eines Businessplans dar. Dies ist zumindest die weitläufige Meinung vieler Menschen, die sich mit dem Thema „Existenzgründung“ beschäftigen. Doch ist das Schreiben eines solchen Plans wirklich immer erforderlich? Oder gibt es auch Situationen, in denen wir uns als Gründer diese zeitaufwendige und oft auch energieraubende Arbeit schenken können? Antworten auf diese Fragen gibt’s in diesem Blog-Artikel.

 

Was ist ein Businessplan überhaupt?

Ein Businessplan ist die schriftliche Zusammenfassung eines unternehmerischen Vorhabens. In ihm werden u.a. Ziele und Strategien dargestellt, die mit der Produktion, dem Marketing, dem Vertrieb und der Finanzierung der geplanten Leistung verbunden sind. Darüber hinaus zeigt der Businessplan auch die Marktchancen und unternehmerische Potenziale eines Gründungsvorhabens auf. 

 

Der Businessplan gilt folglich als „das Herzstück“ der zukünftigen Unternehmung. Auf der einen Seite ist er ein Planungs- und Arbeitsinstrument für den Gründer und sein Team, auf der anderen Seite aber auch ein Marketingwerkzeug und Verkaufspapier, um andere Marktakteure, wie bspw. Banken, vom eigenen Vorhaben zu überzeugen. 

 

Für viele Gründungsexperten ist insbesondere die intensive planerische Auseinandersetzung mit dem eigenen Gründungsvorhaben das Hauptargument für das Verfassen eines Businessplans. 

 

Doch es gibt auch kritische Stimmen aus Expertenkreisen, welche die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit eines Businessplans in Frage stellen. Und das mit plausiblen und nachvollziehbaren Argumenten.

 

 

Kritik am klassischen Businessplan

Ein Businessplan enthält zahlreiche Annahmen und Prognosen über die ersten Geschäftsjahre.So werden z.B. die Umsätze und Kosten für die ersten drei Jahre kalkuliert, um die Rentabilität des Gründungsvorhabens vorauszusagen. Doch woher wissen wir, wie viel Umsatz wir in zwei, oder drei Jahren machen werden? Diese Vorausschau gleicht einem Blick in die Glaskugel. 

 

Die Wirtschaft wird darüber hinaus immer schnelllebiger. Ständig gibt es neue Trends und Entwicklungen, die ganze Branchen auf den Kopf stellen. Unternehmen müssen sich immer wieder an neue Rahmenbedingungen anpassen. „Die unternehmerischen Annahmen ändern sich  folglich schneller, als die Tinte auf dem Businessplan-Papier getrocknet ist“ heißt es von Seiten der Businessplan-Kritiker. Lukrative Geschäftsmodelle von heute können morgen schon überholt sein. Insbesondere die Zukunft sehr junger Unternehmen ist völlig ungewiss und faktisch nicht planbar. Bereits nach wenigen Wochen kann der Businessplan, der in seiner Struktur sehr statisch ist, schon veraltet und damit auch nutzlos sein.

 

Kritikpunkte, wie diese, dürfen meines Erachtens bei der Beurteilung der Sinnhaftigkeit eines Businessplans nicht außer Acht gelassen werden. Natürlich bietet der Businessplan als Planungstool auch viele Vorteile. Doch das Schreiben des Businessplans ist in der Regel eine sehr zeitaufwendige Angelegenheit. Es ist fraglich, ob dieser zeitliche und personelle Aufwand IMMER eine sinnvolle Investition ist. Schließlich gibt es neben dem Businessplan auch alternative Wege, Strategien und Werkzeuge, um die Unternehmensplanung und -gründung erfolgreich zu meistern. Oft sogar mit geringerem Aufwand und einer deutlich steileren Lernkurve.

 

 

Wann Du einen Businessplan auf alle Fälle brauchst

 

- Du benötigst (Fremd-)Kapital für die Realisation deines Vorhaben -

Wenn Du einen Kredit von der Bank brauchst, oder andere Kapitalgeber für dein Projekt gewinnen willst, bist Du quasi gezwungen einen Businessplan zu schreiben. Denn Banken wollen für die Vergabe von Krediten einen solchen Plan von Dir sehen. Bei sonstigen Kapitalgebern ist es ähnlich. 

 

Der Finanzplan ist dabei als Kernelement des Businessplan besonders wichtig. In ihm wird eine wirtschaftliche Berechnung erstellt, die Auskünfte darüber gibt, wie rentabel dein Gründungsvorhaben sein wird. Auch die Höhe deines Kapitalbedarfs, eine Liquiditätsplanung für die ersten Geschäftsjahre und die Finanzierung werden im Finanzplan dargelegt. Die Banken, wie auch alle anderen Investoren, prüfen diese Teilpläne des Finanzplans, sowie den Rest des Businessplans auf Vollständigkeit und Plausibilität. Auf dieser Grundlage beurteilen sie die Marktchancen und die eigenen (Ausfall-)Risiken bei einer möglichen Kreditvergabe bzw. Investition. Schlussendlich treffen sie auf Basis dieser Einschätzung auch ihre (Kredit-)Entscheidungen. 

 

- Bei Förderungen und Zuschüssen -

Auch die Berater der Kammern und sonstigen Institutionen, sowie die Mitarbeiter der Agentur für Arbeit wollen bei der Beantragung von Gründungszuschüssen oder Fördermittel davon überzeugt werden, dass dein Gründungsvorhaben gut durchdacht und langfristig erfolgversprechend ist. Folglich werden auch hier schriftliche Unterlagen und eine solide Planung zur Vorlage gewünscht. Mit einem überzeugenden Businessplan steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Dir eine Förderung, oder ein Zuschuss bewilligt wird. 

 

Hinweis:

Es gibt ganz unterschiedliche Fördermittel und -programme, die vom Bund oder den einzelnen Bundesländern zur Verfügung gestellt werden. Um einen ersten Überblick über die verschiedenen Fördermöglichkeiten zu erhalten, die für Dich möglicherweise in Frage kommen, kannst Du einen Blick in die Förderbank des BMWI werfen.

 

 

Wann das Schreiben eines Businessplans noch zu empfehlen ist

 

- Dir fehlt die Orientierung und Du brauchst eine klare Struktur -

Wenn es Dir in der Gründungsphase an Klarheit und Struktur fehlt ist der Businessplan ein guter Leitfaden, an dem Du dich orientieren kannst. Durch ihn hast Du einen klaren Überblick welche Punkte bei deinem unternehmerischen Vorhaben eine hohe Relevanz haben: Was ist überhaupt die konkrete Geschäftsidee? Wer ist die Zielgruppe? Wie setzt sich der Markt zusammen, auf dem Du aktiv sein wirst? Wie ist die Wettbewerbssituation? Und welche finanziellen Mittel werden überhaupt benötigt? All diese wichtigen Fragen werden im Rahmen des Businessplans systematisch beantwortet. Der Businessplan zwingt Dich zu einer strukturierten Vorgehensweise. Schritt für Schritt werden alle wesentlichen Punkte eines Gründungsvorhabens ausgearbeitet. Das hilft Dir dabei auch Schwachstellen im Konzept, sowie Wissenslücken und Problembereiche frühzeitig zu erkennen. So können potenzielle Stolpersteine und Gefahren einer Gründung teilweise schon im Schreibprozess eliminiert werden. 

 

- Du möchtest den Businessplan auch als Kommunikations- und Marketingwerkzeug nutzen -

Mit einem guten Businessplan kannst Du nicht nur bei Banken und Investoren punkten. Auch für die Gewinnung von Lieferanten, Partnern oder Großkunden kann ein Businessplan wichtig sein. Ist der Businessplan auf die Bedürfnisse der jeweiligen Adressaten abgestimmt, kann er als Marketing- und Kommunikationsinstrument insbesondere in der Gründungsphase auch zu attraktiveren Lieferverträgen, neuen Kooperationspartnern und besseren Konditionen führen. 

 

Hinterfrage dabei immer kritisch, welche Punkte des Businessplans den jeweiligen Adressaten besonders wichtig sind, welche Interessen sie verfolgen und wie ihre Prioritäten sind. Passe deinen Businessplan bei Bedarf entsprechend an, damit er die jeweiligen Adressaten auch wirklich überzeugt.

 

- Der Businessplan soll auch fürs Controlling verwendet werden -

Wenn Du schon viel Zeit und Energie in die Ausarbeitung eines Businessplans investiert hast, solltest Du den Plan auch als Controlling-Werkzeug nutzen und ihn nicht nach der Erstellung einfach in der Schublade verschwinden lassen. 

 

Auch wenn die im Businessplan anvisierten Zahlen erfahrungsgemäß nur von den wenigsten Gründer erreicht werden, ist der Businessplan ein gutes Controlling-Instrument. Mit ihm kannst Du monatlich deine Ist-Zahlen mit den Soll-Zahlen aus dem Businessplan vergleichen. Auf diese Weise kannst Du schnell Fehlentwicklungen erkennen und frühzeitig gegensteuern. Zum Beispiel wenn bei den Umsätzen, oder der ein oder anderen Kostenposition eine zu große Differenz zwischen den Soll- und den IST-Werten ersichtlich wird.

 

Neben diesem finanziellen Abgleich kannst Du den Businessplan zudem auch auf zeitlicher oder operativer Ebene als Controlling-Tool nutzen, denn auch in diesen Bereichen werden im Businessplan kurz-, mittel- und langfristige Meilensteine und Ziele definiert. Als eine Art Kompass kann Dir der Businessplan damit auch nach der Gründung Orientierung geben und Dich dabei unterstützen im Gründungsalltag auf Kurs zu bleiben.

 

 

Wann das Schreiben eines Businessplans eher Zeitverschwendung ist

Neben den vorab genannten Punkten, die alle - trotz der Kritik - für die Erstellung eines Businessplans sprechen, gibt es aber auch Situationen, in denen die aufwendige Ausarbeitung eines Businessplans in meinen Augen nicht zwingend erforderlich ist. 

 

- Du benötigst kein externes Kapital und die finanziellen Risiken sind bei deinem Gründungsvorhaben eher gering  - 

Viele Gründungsvorhaben können in der heutigen Zeit mit sehr geringen finanziellen Mitteln realisiert werden. Gerade die Online-Welt bietet uns dabei zahlreiche Chancen und Möglichkeiten. Folglich sind viele Existenzgründer auch nicht auf externes Kapital angewiesen. Kredite von Banken, oder Förderungen werden für den Unternehmensstart nicht benötigt. 

 

Da die meisten Businesspläne jedoch für genau diese Zwecke geschrieben werden, können wir uns an dieser Stelle viel Zeit und Arbeit sparen. Je überschaubarer das Investitionsvolumen und das finanzielle Risiko ist, desto eher können wir auf einen Businessplan verzichten.

 

- Du nutzt alternative Tools & Werkzeuge und beachtest die finanziellen Grundregeln -

Natürlich dürfen wir uns auch hier nicht planlos in die Existenzgründung stürzen. Wichtige Themen, wie z.B. das Marketing, die Zielgruppenanalyse, die Finanzen etc., die auch Bestandteil des Businessplans sind, müssen auch hier Schritt für Schritt angegangen und erarbeitet werden. Allerdings müssen wir uns dafür als Gründer nicht wochenlang an den Schreibtisch fesseln und seitenweise Pläne schreiben.  

 

Insbesondere die umfangreichen Finanzpläne, die nur in den seltensten Fällen zutreffend sind, können wir uns zum Unternehmensstart oft sparen. In den meisten Fällen reicht es schon aus, wenn wir als Selbstständige und Unternehmer einige wenige finanzielle und strategische Grundregeln beachten, um finanziell nicht in schwieriges Fahrwasser zu geraten. Die Corona-Krise zeigt allerdings wieder, dass die wenigsten Selbstständigen diese Regeln, wie z.B. den Aufbau des finanziellen Schutzes, beherzigen. 

 

Die Arbeit mit smarten Tools und Techniken, wie der Business Model Canvas und dem Lean Startup-Ansatz, helfen uns darüber hinaus dabei unsere unternehmerischen Risiken weiter zu reduzieren und die PS in der Gründungsphase direkt auf die Straße zu bekommen. Das Schreiben eines Businessplans würde uns hier erst mal einige Wochen ausbremsen und von der direkten Umsetzung abhalten. 

 

 

Fazit

Grundsätzlich kann keine pauschale Empfehlung für oder gegen die Nutzung eines Businessplans ausgesprochen werden, da diese Frage zu stark vom Gründungsvorhaben und der individuellen Situation des Gründers abhängt. Das Schreiben eines Businessplans ist sehr zeitaufwendig. Allerdings kann der Businessplan auch ein wichtiges Planungs- und Controlling-Instrument für Dich und weitere Partner sein. Je höher das finanzielle Risiko ist, desto wichtiger ist auch eine solide Planung. 

 

Bei vielen Existenzgründungen sind die finanziellen Risiken allerdings sehr überschaubar. Insbesondere beim Start in eine Selbstständigkeit, z.B. als Berater oder Trainer, oder beim Aufbau eines Online-Business, sind häufig zunächst keine hohen Investitionen erforderlich. 

Hier ist es oft sinnvoller die Zeit und die Energie nicht in das Schreiben eines aufwendigen Plans zu investieren, sondern nach der Konzeption eines ersten Geschäftsmodells zeitnah zu starten und wichtige Annahmen direkt am Markt zu testen. Auf diese Weise kannst Du als Gründer wertvolles Feedback von deiner Zielgruppe einsammeln und möglicherweise auch schon erste Umsätze generieren, wo andere noch in ihrem stillen Kämmerlein sitzen und über Wochen und Monate hinweg an ihrem Businessplan schreiben. 

 

 

weitere Informationen:

Du benötigst Unterstützung bei der Ausarbeitung deines Businessplans, oder suchst einen Berater und Coach, der Dich durch den gesamten Gründungsprozess begleitet? Dann schaue Dir unbedingt auch mal meine Leistungen für Existenzgründer an!